Sant Joan – eine magische Nacht

Die Nacht zu Sant Joan ist eine magische Nacht. Ihr werden dieselben mystischen Elemente  zugeschrieben wie der Weihnachts- und der Silvesternacht, wenn die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen und alles möglich ist. Die Sonnenwende läutet eine neue Zeit ein. Es ist die kürzeste Nach des Jahres und die Tage werden wieder kürzer. In dieser Nacht soll es im ganzen Land möglich sein, verborgene Schätze in den Burgruinen zu heben, die Paläste der Meerjungfrauen an der Costa Brava können während der zwölf Glockenschläge zu Mitternacht von Wagemutigen betreten werden (auch wenn sie wahrscheinlich niemals wieder herauskommen) und die weißen Frauen zeigen sich genauso wie andere Fabelwesen.

Die wichtigsten Protagonisten dieser Nacht sind jedoch Wasser, Kräuter und natürlich das allgegenwärtige Feuer.

Es gehört eigentlich zum Pflichtprogramm zu Sant Joan, in einem Fluss, einem See oder dem Meer ein Bad zu nehmen. Dem Wasser wird in dieser Nacht besondere Kräfte zugeschrieben. Es soll eine reinigende Wirkung haben und ein Bad das ganze Jahr über vor Krankheiten schützen. Dies besagt schon das Sprichwort „Bany de Sant Joan, salut per a tot l’any“ (ein Bad zu Sant Joan, Gesundheit das ganze Jahr über). In vielen Dörfern und Städten an der Küste werden die Feierlichkeiten zu Sant Joan direkt am Strand abgehalten. Im Hinterland ist ein Bad im Fluss angesagt. Früher war es Brauch, dass die Schäfer ihre Herden bei den 12 Glockenschlägen zu Mitternacht durch den Fluss trieben , damit die Tiere das Jahr über unter dem besonderen Schutz standen, die diese Nacht ausstrahlt.

Kräuter spielen, wie schon erwähnt, ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch sie erwerben in diese Nacht besondere Eigenschaften, die der Gesundheit förderlich sein sollen. Darunter fallen besonders Salbei, Eisenkraut, Beifuß, Lavendel, Rosmarin, Rauten und Johanniskraut, das, wie der Name schon sagt, eine besondere Beziehung zu dieser magischen Nacht hat und dessen Wirkung sich verstärkt, wenn es in der Johannisnacht geschnitten wird.

Wie man in Deutschland mit Feuerwerk und Böllern die bösen Geister zu Silvester vertreibt, genauso macht man es hier in Katalonien mit den petardos (Böller) und den Scheiterhaufen. In jedem Dorf und, in den größeren Städten, in jedem Viertel wird ein Scheiterhaufen entfacht, der meist mit der Flama del Canigó entzündet wird. Für diese Scheiterhaufen tragen die Menschen am Tag zuvor das Material (alte Holzmöbeln, Feuerholz, Pappe, etc) zusammen.

Bei kleineren Scheiterhaufen existiert noch immer die alte Tradition, über diesen drüber zu springen. Genau wie das Wasser in dieser Nacht spezielle, schützende Eigenschaften annehmen soll, wird dem Feuer zu Sant Joan therapeutische Eigenschaften zugeschrieben.  Wer über das Feuer springt, wird das Jahr über Glück haben und vor Krankheiten gefeit sein. In manchen Orten muss man mehrmals über den Scheiterhaufen springen, bis zu sieben Mal, bis es wirksam wird. Die Böller werden meist vor dem entzünden des Scheiterhaufens angezündet, um möglichst viel Lärm zu machen, um die bösen Geister zu vertreiben.

Mit all dieser magischen Unterstützung kann einem in dieser Nacht nichts mehr passieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: