la Flama del Canigó – die Flamme des Canigó

Sant Joan Flama de Canigò (4)Jedes Jahr zu Sant Joan wird die „Flama del Canigó“ in die Städte und Dörfer Kataloniens getragen. Die Tradition fand das erste Mal 1955 statt, als ein großer Scheiterhaufen von Mitgliedern des Cercle de Joves de Perpinyà auf dem Gipfel des Canigó (2784 Meter) zu Sant Joan entfacht wurde. Als Inspiration diente das Gedicht „Canigó“ von Jacint Verdaguer, das von einem Fest auf dem Gipfel des Canigó berichtet, an dem Feen und Hexen teilnehmen. Der Canigó ist dabei nicht willkürlich gewählt. Er gilt bzw. galt als der höchste Gipfel der katalanischen Pyrenäen.

Die Idee, das Feuer weiterzutragen und von Catalunya del Nord, so wird die Region um Perpignan auch genannt, nach Katalonien direkt zu bringen, wurde das erste Mal 1966 umgesetzt. Heimlich wurde die Flamme über die Grenze geschmuggelt und in die Dörfer und Städte verteilt. Die Flamme symbolisiert dabei den Zusammenhalt zwischen den Menschen in Katalonien und Catalunya del Nord, das aus historischer Sicht zum katalanischen Kulturraum gehört. Seit dem Pyrenäenfrieden von 1659 sind die beiden Teile getrennt.

Sant Joan Flama de Canigò (38)Am Wochenende vor Sant Joan beginnen verschiedene Gruppen von Freiwilligen, darunter Mitglieder von Sportvereinen, Kulturvereinigungen oder politischen Gemeinschaften aus dem ganzen Land mit dem Aufstieg auf den Berg Canigó. Am Samstagabend treffen sie sich am Fuße des Berges und verbringen die Nacht in Zelten. Sonntagmorgen in der Früh wird mit dem ersten Ritual zu Sant Joan begonnen: Die Gruppen beginnen mit dem Aufstieg zu Fuß auf den Gipfel. Oben angekommen hinterlegen sie eine Fackel, ein Windlicht oder Ähnliches, auf dem der Name ihrer Heimatstadt steht, damit es zu keiner Verwechslung kommt und mit dem sie das Feuer die Strecke zurück nach Katalonien transportieren können.

Am 22. Juni steigen drei Mitglieder des Cercle de Joves de Perpinyà mit dem Feuer aus der ewigen Flamme, die in der Burg von Perpignan das ganze Jahr über brennt, hinauf zum Gipfel. Das Feuer, das in der Burg gehegt und gepflegt wird, damit es nicht ausgeht, stammt angeblich noch vom ersten Scheiterhaufen 1955.

Sant Joan Flama de Canigò (42)Punkt 00:01 Uhr am 23. Juni wird der Scheiterhaufen auf dem Gipfel des Canigó entzündet, woraufhin die Gruppen, die einige Tage zuvor ihre Fackeln dorthin gebracht haben, erneut den Aufstieg wagen, um diese wieder an sich zu nehmen, sie zu entzünden und das Feuer bis zum Abend in ihre Heimatstädte zu tragen, damit der dortige Scheiterhaufen mit der Flamme entzündet werden kann. Das Feuer wird durch eine ausgeklügelte Lieferkette verteilt. Nicht jeder entzündet seine Fackel direkt am Canigó, sondern wartet an strategischer Stelle auf die Freiwilligen, um sich das Feuer bei ihnen abzuholen und es in die eigene Stadt zu bringen, von wo es weiter verteilt wird, bis zum kleinsten Scheiterhaufen im verstecktesten Viertel. Heute gibt es nur noch wenige Scheiterhaufen, die nicht durch die „Flama del Canigó“ entzündet werden. Nach Schätzungen werden jedes Jahr etwa 30.000 Scheiterhaufen mit der Flamme des Canigó entzündet.

In Barcelona wird sie jedes Jahr am 23.06. gegen Spätnachmittags auf die Plaça Sant Jaume getragen und entzündet dort feierlich eine große Fackel, an der die verschiedensten Vereinigungen, die die Scheiterhaufen in ihren Vierteln verantworten, ihre mitgebrachten Fackeln und Kerzen entzünden. So wie es tausende weitere Personen in ganz Katalonien zur selben Zeit tun. Der Akt der Entzündung wird begleitet von den Gegants der Stadt und dem àliga, dem Adler, während die umstehenden Menschen die katalanische Nationalhymne anstimmen. Im Vorfeld ist das Lied „Muntanyes de Canigó“ zu hören.

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