Casa Tosquella

Die Casa Tosquella hat schon bessere Tage erlebt. Das modernistische Gebäude ist seit Jahren schonungslos dem Verfall preisgegeben. Zwar wurde das Haus zum bé cultural d’interès nacional ernannt und steht daher unter besonderem Denkmalschutz. Doch wer sich die heruntergekommene Fassade ansieht, hat da so seine Zweifel.

Trotz des verfallenen Eindrucks ist das Haus zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch bewohnt. Die mehr als 80 Jahre alte Tochter Antonio Tosquellas, Maria Dolors Castells i Tosquella, hütet das Haus. Mehrmals wurde eine Anfrage an das Rathaus Barcelonas gestellt, um Unterstützung für eine Renovierung des Hauses zu erhalten, da es immerhin Denkmalschutz genießt, die Besitzer jedoch nicht die eigenen finanziellen Mittel zur Verfügung haben, um den Erhalt zu finanzieren. Aber bisher hat sich das Rathaus nicht dazu bereit erklärt, unterstützend einzugreifen. Obwohl der Turm aufgrund der eingestürzten Treppe nicht mehr betreten werden kann und die Wände und Dächer dermaßen morsch und einsturzgefährdet sind, dass das Gebäude eigentlich nicht mehr bewohnt werden dürfte.

Den modernistischen Anstrich dieses 1889 durch den Architekten Juan Caballé als Sommerresidenz errichtete Gebäude, bekam es  durch den Architekten Eduard Maria Balcells bei einer Komplettrenovierung im Jahr 1907.

Der Auftraggeber war Antonio Tosquella. Dieser war als Unterne hmer in den amerikanischen Kolonien reich geworden und war mit einem beachtlichen Vermögen nach Barcelona zurückgekehrt, das er nun auch dementsprechend zur Schau stellen wollte. Als die Tochter des Hauses heiratete, schloss sie mit ihrer Mutter einen Mietvertrag ab, der ihr lebenslanges Wohnrecht einräumte. Nur aufgrund dieses Vertrags ist es Maria Dolors Castells i Tosquella möglich, noch heute in diesem Haus zu wohnen. Nach dem Tod ihrer Eltern erbten ihre Brüder das Haus und heute befindet es sich im Besitz einer Nichte, die anscheinend bereits Kontakte zu Immobilienfirmen aufgenommen hat, um das Haus nach dem Tod der einzigen Bewohnerin gewinnbringend verkaufen zu können.

In den 1970er Jahren als die Straße General Mitre gebaut wurde, wurde der Familie eine horrende Summe für das Haus und das es umschließende Grundstück mit dem Garten angeboten, um es abreißen zu können. Wie es scheint, waren die Brüder der Bewohnerin dem Geschäft nicht abgeneigt. Aber Maria Dolors verhinderte den Verkauf und ersuchte zusätzlich das Rathaus von Barcelona um den Titel monument històric-artístic d interés provincial, historisch-künstlerisches Monument von provinziellem Interesse, um einen späteren Abriss zu verhindern. Als Folge dessen, wurde sie von ihrer Familie enterbt und nur der schon erwähnte Mietvertrag verhinderte, dass sie die eigene Familie aus dem Haus werfen konnte. Bis vor einigen Jahren lebte sie mit ihrem Mann im Haus. Doch seit dessen Tod lebt sie allein.

Die Erben des Hauses stehen bereits in den Startlöchern. Wenn Maria Dolors Castells i Tosquella eines Tages nicht mehr die Hüterin dieses Kunstwerks sein wird, werden Immobilienspekulanten sich um das Haus reißen. Das Rathaus Barcelonas war ebenfalls schon in Verhandlung getreten. Da diesem aber nur 80% des Hauses verkauft werden sollte, kam kein Vertrag zustande. Die Zukunft der Casa Tosquella ist ungewiss.

 

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