Refugi 307

Unter der Nummer 169 wurde vor ein paar Jahren ein Luftschutzkeller aus dem Bürgerkrieg wieder entdeckt. Es handelt sich hierbei um das Refugi 307. Während des Bürgerkrieges begannen die Bewohner der einzelnen Stadtteile auf eigene Faust Schutzräume vor den Bomben der franquistischen Alliierten zu bauen. Im Refugi 307 sollten alle Anwohner des Poble Sec Unterschlupf finden. Es wurde 1937 damit begonnen, drei Tunnel aus verschiedenen Richtungen zu graben, die sich im Berg treffen sollten. Diese drei Tunnel hatten als Hintergrund den Gedanken, dass nicht nur ein Eingang vorhanden sein sollte, an dem sich die Menschen bei einem Bombenalarm drängten und dass nicht nur ein Ausgang existieren sollte, falls eine Bombe das Refugi treffen und einen der Ausgänge verschütten sollte.

1.8 Poble_Sec_Refugi_307 Bild 2Der Unterschlupf geht 200 Meter in den Berg hinein und wurde im Juli 1937 mit einer kleinen provisorischen Krankenstation, einer Apotheke, einem Extraraum für Kinder und Toiletten eröffnet. Bis zu 2000 Menschen fanden hier in der Hochzeit der Bombardierung Unterschlupf. Der Aufenthalt in den Gängen war zeitlich auf den Angriff beschränkt. Nach spätestens sechs Stunden mussten die Familien den Unterschlupf verlassen. Es durfte nichts mitgenommen werden. Nur das nackte Leben konnte gerettet werden, auch wenn die Menschen zu Beginn versuchten, ihre Möbel oder Haustiere mit in den Unterschlupf zu nehmen, was ihnen aufgrund von Sicherheitsbestimmungen und natürlich Platzmangel verwehrt wurde. Das Leben im Unterschlupf war strengen Regeln unterworfen, nicht nur um den Menschen Sicherheit zu vermitteln, sondern um sie vor reellen Gefahren zu schützen. So wurde der Gebrauch von Kerzen untersagt, da Kerzen in den engen Räumen zu viel Sauerstoff verbraucht hätten und um einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung vorzubeugen.

Poble_Sec_Refugi_307 (2)Das gesamte Tunnelsystem wurde während seines Gebrauchs gebaut. Die Bauarbeiten gingen während den Luftangriffen weiter und die Menschen, die in dieser Zeit Zuflucht fanden, gruben unbeirrt weiter in den Berg hinein, um die drei Tunnel zu erweitern und zu verbinden. Bis Ende des Krieges konnte das System aber nicht mehr ganz fertig gestellt werden.

Nach der Einnahme Barcelonas durch die Franquisten im Januar 1939 wurden alle Unterschlupfe und Bunker nach Dissidenten durchsucht. Dabei stießen die Franquisten auch auf das Refugi 307 und stellten fest, dass nur noch wenige Meter zwischen einer Verbindung aller drei Tunnel lagen. So wurde der Bau von den Franquisten nach dem Krieg vollenden und die letzten Meter, die die Bewohner des Poble Sec nicht mehr geschafft hatten, von franquistischen Soldaten in den Berg gegraben.

Poble_Sec_Refugi_307 (1)In der Nachkriegszeit bis weit in die 50er Jahre hinein wurde das System aber nicht mehr als militärischer Unterschlupf genutzt, sondern wurde von ganzen Familien bewohnt, die während des Krieges ihr Zuhause verloren hatten. Es findet sich sogar noch heute eine in den Fels gehauene Feuerstelle aus dieser Zeit. Doch nach und nach verschwand das Refugi aus den kollektiven Erinnerungen und geriet in Vergessenheit. Da sich im Poble Sec viele Fabriken befanden, wurden die Gänge ab den 80er Jahren von einer Glasfabrik als Schutthalde verwendet, wo diese ihre Glasabfälle in den Gängen lagerte. Erst nach Abriss dieser Fabrik in den 90er Jahren kamen die Gänge wieder zum Vorschein und es wurde damit begonnen, Zeitzeugen zu befragen, die Gänge wieder begehbar zu machen und dieses Kapitel der Geschichte aus der Vergessenheit zu holen. Heute ist das Refugi 307 am Wochenende mit einer Führung zu besichtigen.

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