La Revolta de les Quintes

Im April 1870 beschloss die spanische Regierung unter General Prim eine allgemeine verpflichtende Wehrpflicht für alle jungen Männer, um genug Soldaten für die Kriege mit den Kolonien in Reserve zu haben. Für dieses Vorhaben sollte einer von fünf jungen Männern per Losentscheid zwangseingezogen werden. Im Zuge dieses Erlasses aus Madrid, kam es in vielen Städten und Dörfern Kataloniens zu Ausschreitungen, da dies vor allem die Arbeiterklasse traf, die nicht einsah, warum ihre Söhne mal wieder als Kanonenfutter dienen sollten, während das Bürgertum seine Söhne von dieser Maßnahme freikaufen konnte, da es nämlich möglich war, sich durch die Zahlung einer gewissen Summe vom Losverfahren zu distanzieren.

Besonders bekannt ist die Revolta de les Quintes der Bewohner des heutigen Stadtteils Gràcia, das zu dieser Zeit noch eine eigenständige Gemeinde war und noch nicht zu Barcelona gehörte. In Barcelona sollte sich Eugenio de Gaminde, der Generalkapitän Kataloniens, um die Durchsetzung der Einberufung kümmern. Unter seinem Befehl begann das Militär mit der Auslosung. Als das Militär am 4. April 1870 über den Passeig de Gràcia kommend in Richtung Gràcia marschierte, um das Losverfahren dort durchzusetzen und die jungen Männer mitzunehmen, wurden die Bewohner durch die Glockenschläge des Turms an der heutigen Plaça de la Vila gewarnt und begannen, die Zugangsstraßen der Stadt zu verbarrikadieren.

Sechs Tage konnten die Bewohner der Belagerung und den Attacken durch das Militär standalten. Das Viertel wurde kontinuierlich vom Passeig de Gràcia aus auf Befehl von Eugenio de Gaminde, dem diese Dauerbombardierung den Beinamen „General Bum-Bum“ bescherte, bombardiert. Das starkbewaffnete Militär rückte immer weiter in das Herz des Viertels vor.

Denn nur mit wenigen Waffen und vor allem mit Steinen und einem festen Willen ausgerüstet, konnten die Bewohner von Gràcia den Soldaten nur wenig entgegen setzen.

Die einzige effektive Waffe war der Glockenturm, der die vollen sechs Tage durchgeläutet haben soll. Der Glockenstrang soll von Haus zu Haus weitergereicht worden sein, damit die Glocke bei Tag und bei Nacht niemals still stehen und dadurch dem Militär den Eindruck vermitteln sollte, dass sich viel mehr Menschen im Viertel befanden als es in Wahrheit der Fall war.

Es ging unter den Soldaten zunächst auch wirklich das Gerücht um, dass ein englischer Ingenieur die Barrikaden mit errichtet hätte, sich ca. 2000 stark bewaffnete Männer im Viertel aufhielten und ein bekannter General den Anführer dieser Männer abgeben würde. Dabei befanden sich nicht einmal 100 Mann mit ein paar lumpigen Gewehren auf den Barrikaden. Vergeblich versuchte man vom Passeig de Gràcia aus, den Glockenturm mit Kanonen zu treffen und ihn zum Schweigen zu bringen. Er wurde zwar beschädigt, aber nicht zerstört.

Am Ende gewann das Militär und fiel ins Viertel ein. Durch die ständige Bombardierung wurden unzählige Häuser zerstört, nach dem Einfall des Militärs die verbliebenen geplündert und 27 Tote waren zu beklagen.

Als es offensichtlich wurde, dass die Bewohner nicht länger Widerstand würden leisten können, flohen die jungen Männer aus Gràcia in den Collserola und versteckten sich dort, um dem Zugriff zu entgehen. Als zusätzliche Maßnahme zogen die Frauen des Viertels zum Rathaus, drangen in die Archive ein und verbrannten die gesamten Geburtsurkunden, so dass es unmöglich war, festzustellen, welche Familie wehrpflichtige Söhne hatte.

Neben Gràcia traf es in Barcelona vor allem noch das Viertel Sants. Auch hier rebellierten vor allem die Arbeiter und auch in diesem Viertel wurden die Archive der Gemeindeverwaltung von den Frauen des Viertels vernichtet. Beschossen wurde Sants vom Montjuïc aus. General Bum-Bum machte seinem neuen Spitznamen alle Ehre. Für die jungen Männer aus Sants ging es nicht so glimpflich aus wie für die Männer aus Gràcia, die sich in den Collserola flüchten konnten. Nachdem der Aufstand vom Militär niedergeschlagen worden war, kamen sie wenige Tage später ins Viertel und nahmen die neuen Rekruten mit sich.

Jedes Jahr im April wird die Revolta de les Quintes von den Bewohnern Gràcias nachgestellt. Mehrere Vereine der Trabucaires aus der Umgebung nehmen daran teil und die Bewohner des Viertels kleiden sich im Stil der Epoche. Bevor es zur Auseinandersetzung auf der Plaça de la Vila kommt, findet ein Umzug der Trabucaires durch die angrenzenden Straßen statt. Auf der Plaça treffen die Kontrahenten aufeinander und der Kampf der Bewohner Gràcias lebt mit voller Leidenschaft wieder auf. Den Höhepunkt bildet die Verbrennung der Geburtsurkunden. Dazu ist es noch ein ganz besonderes Spektakel, wenn 300 Trabucaires ihre trabucs, ihre Pistolen, auf dem Platz abfeuern.

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