Das Lichtwunder von Manresa

Im Februar wird in Manresa ein ganz spezielles Fest begangen: La Festa de la Llum, das Lichtfest. Es geht auf eine Legende aus dem Mittelalter zurück, die für die Stadt Manresa und ihre weitere Entwicklung von großer Bedeutung war.

Manresa_La_Seu_2Gemäß der Legende müssen wir uns in das Jahr 1339 zurück versetzen. Manresa litt unter äußerst großer Wasserknappheit. Der Regen war lange ausgeblieben, womit ein Verlust der gesamten Jahresernte einherging, da auf dem ausgetrockneten Boden kein Anbau möglich war. Es herrschte Hunger und die Verzweiflung innerhalb der Bevölkerung nahm immer größere Ausmaße an. Daher wandten sich die Stadtoberen an den König Pere III. mit der Bitte, einen Kanal bauen zu dürfen, der das Wasser des Llobregat von Balsareny aus nach Manresa leiten sollte.

Der König gab die Erlaubnis und mit sofortiger Wirkung begannen die Baumaßnahmen am Kanal. Als man jedoch im Gebiet der Stadt Sallent ankam und dort den Kanal weiterführen wollte, mussten die Bauarbeiten vorerst eingestellt werden, da der Feudalherr von Sallent, Galzeran Sacosta, der dazu noch Bischof von Vic war, seine Zustimmung verweigerte, dass in seinem Einflussgebiet ein solcher Kanal gebaut werden könne. Doch trotz seines erhobenen Einspruches beschlossen die Stadtoberen der Stadt Manresa, den Bau gegen den Willen des Bischofs von Vic weiterzuführen. Dieser nahm diesen Affront nicht so einfach hin und als Bischof von Vic exkommunizierte er nicht nur die Verantwortlichen des Kanalbaus, sondern gleich die gesamte Bevölkerung der Stadt Manresa.

Daraufhin wurden die Bauarbeiten erst einmal eingestellt. Man versuchte mit dem Bischof zu verhandeln, dass er diese doch sehr drastische Maßnahme zurücknehmen solle. Aber er ließ sich nicht erbarmen. Während dieser Streit ausdiskutiert wurde, breiteten sich Hunger und Angst weiterhin in Manresa aus. Noch immer war das Wasserproblem nicht gelöst, noch immer darbten die Menschen und hatten nicht genug zu Essen und obendrein war ihnen der seelische Beistand verwehrt worden. Die Kirchen in Manresa blieben für volle fünf Jahre geschlossen.

Manresa_La_SeuErst mit dem Tod des Bischofs 1345 kam wieder Bewegung in die Angelegenheit, da man seinen Nachfolger um die Aufhebung der kollektiven Exkommunikation bat. Und hier kommt nun das ominöse Licht ins Spiel. Am vereinbarten Tag, an dem über die Aufhebung der Exkommunikation verhandelt werden sollte, soll gegen Mittag des 21. Februars ein helles Licht durch ein Fenster der Kirche de la Carme geschienen haben, das direkt vom Montserrat hergekommen sein soll. 80 Bewohner der Stadt beglaubigten vor einem Notar, dieses Licht gesehen zu haben. Es soll eine Flamme, ein sternenähnliches Gebilde oder ein weißer Lichtstrahl gewesen sein, auf jeden Fall ein sehr helles und potentes Licht, das den Altar erleuchtete und sich in der Kirche bewegte. Bis zu dreimal soll das Licht aufgetaucht und verschwunden sein. In der Kirche selbst, soll sich das Licht in drei Strahlen aufgeteilt haben und nachdem es sich wieder zusammengefügt haben soll, soll es zum Schluss wieder in Richtung Montserrat verschwunden sein. Dazu wird erzählt, dass die Glocken der Kirchen während des Erscheinens des Lichts von selbst angefangen haben, zu läuten.

Der neue Bischof hielt das Erscheinen dieses Lichts für ein göttliches Zeichen und hob mit sofortiger Wirkung die Exkommunikation der Stadt auf. Der Bau des Kanals konnte abgeschlossen werden, wodurch Manresa Zugang zu Wasser bekam und nicht mehr auf den Regen angewiesen war.

Manresa_La_Seu_3Heute wird um den 21. Februar herum in Manresa die Festa de la Llum begangen. Dazu werden an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden die Ereignisse aus dem Mittelalter nachgestellt. Das Licht wird per Laserprojektion erneut in der Kirche de la Carme entzündet, die Straßen der Altstadt hüllen sich abends in besondere Beleuchtung, ein Mittelaltermarkt mit Theateraufführungen lassen die Geschichte wieder aufleben und der Kanal, der noch heute die Stadt mit Wasser versorgt, wird Protagonist eines Laufes, bei dem die Bewohner Manresas und interessierte Besucher die Strecke zwischen Balsareny und Manresa ablaufen, immer entlang des Kanals.

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