El Comte Estruc – der katalanische Vampir

Hört man das Wort „Vampir“, kommt den meisten Menschen gleich eine Verbindung zu Transsilvanien und Graf Dracula in den Sinn. Dass aber Katalonien einen eigenen Vampir in seiner Geschichte aufweisen kann, ist so gut wie nicht bekannt. Es handelt sich hierbei um den Grafen Arnald Estruc, den Comte Estruc, einen katalanischen Adligen aus dem 12. Jahrhundert aus der Region des Alt Empordà, der nach seinem Tod als Untoter sein Unwesen in dieser Gegend getrieben haben soll. Er wurde von Guillem Torroja, Bischof von Barcelona und Tutor des noch minderjährigen Königs Alfons II. von Aragón ins Alt Empordà entsandt, um dort den Aberglauben innerhalb der Bevölkerung und die Hexerei zu verfolgen. Welche Ironie, dass gerade dieser Mann als Vampir in die Geschichte eingehen sollte.

Zu diesem Zeitpunkt war der Volksglauben noch sehr intensiv und das Christentum noch nicht so stark verfestigt wie es zu einem späteren Zeitpunkt werden wird.

Der Comte Estruc zog also nach Llers, nahe der Stadt Besalú, wo er seiner ihm zugewiesenen Aufgabe bis zu seinem Lebensende nachkam. Er soll mehrere vermeintliche Hexen auf den Scheiterhaufen haben brennen und jeden einsperren lassen, der auch nur im leisesten Verdacht stand, ein Ketzer zu sein. Eine dieser Hexen soll ihn mit ihrem letzten Atemzug verflucht haben, auf dass er nach seinem Tod als Untoter durchs das Land ziehen sollte.

Der Comte soll sehr zurück gezogen gelebt und nur sehr selten die Burg verlassen haben. Zumindest sahen ihn die Bewohner von Llers nur zu bestimmten Anlässen oder er verließ seine Burg nur gegen Abend und nachts.

Im hohen Alter wurde er ermordet. Soweit zumindest die Vermutung. Es soll einer seiner eigenen Männer gewesen sein, der ihm das Gift verabreichte, da sich dieser in die Tochter des Hauses, ein Mädchen namens Núria, verliebte und die Tochter ihren Vater abgrundtief hasste.

Ab diesem Zeitpunkt kommt nun die Legende um den Vampir von Llers ins Spiel. Wie die vermeintlichen Hexen es gewünscht hatten, wurde der Comte Estruc zum Wiedergänger und kam der Legende nach als junger, attraktiver und teuflischer Mann ein weiteres Mal ins Leben zurück. Wir reden hier nicht von einem dieser neuliterarischen Erscheinungen, die sich vegetarisch ernähren, sondern von einem echten Vampir, der die Menschen in der Region in Angst und Schrecken versetzte. Der Comte Estruc soll nachts den Bewohnern nachgestellt haben, die nicht rechtzeitig bei Einbruch der Dunkelheit zu Hause waren und ihnen ihr Blut ausgesaugt haben. Durch sein attraktives Äußeres gelang es ihm, sich den jungen Mädchen ohne große Schwierigkeiten zu nähern und wenn er sich in der Position sah, dass sie ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten, nahm er sie sich und schwängerte eine nach der anderen. Neun Monate später sollten diese Mädchen Missgeburten zur Welt bringen, die jedoch gleich nach der Geburt verstarben, da Vampire keine Nachkommen auf diesem Weg in die Welt setzen konnten. Und wie jeder anständige Untote war er natürlich auch verantwortlich für Unwetter und Missernten, die die Bevölkerung seinem Eingreifen zuschrieben.

Dieser Spuk soll mehrere Jahre angedauert haben, bis dieser Untote zur Strecke gebracht wurde. Einige Quellen behaupten, dass eine alte Nonne den Vampir durch Zufall in seinem Versteck schlafend vorgefunden hatte und ihn tötete. Leider ist nicht überliefert, wie sie dies tat. Andere Quellen sprechen von einem jüdischen Einsiedler, der mit Hilfe der Kabbala dem Vampir Einhalt bieten konnte und ihn zur Strecke brachte.

Da es sich vor allem um eine mündlich überlieferte Legende handelt, ist ungewiss, was Realität und was Dichtung ist. Zumal die Burg in Llers, in der sich der Vampir herumgetrieben haben soll, leider im Spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde und mit ihr alle Dokumente, die Aufschluss hätten geben können. Sicher kann man nur sagen, dass es einen Grafen namens Estruc gab, der wahrscheinlich auz Okzitanien stammte. Des Weiteren ist die Geschichte um den Comte Estruc eine der ältesten überlieferten Vampirgeschichten Europas. Neben der Legende hat sich noch ein Wort im Katalanischen erhalten, das auf den Comte Estruc zurückgehen soll. Es handelt sich hierbei um „tenir malastrugança“, was mit „Pech haben“ übersetzt wird. Und über Generationen hinweg sollen katalanische Mütter ihren Kindern gedroht haben, den Comte Estruc zu rufen, falls diese nicht artig und brav seien, damit dieser sie mit sich nehme. Der Comte Estruc hat also seine Spuren hinterlassen.

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