Eine Stadt, viele Beinamen – Can Fanga, Pixapins oder Quemaco

Can Fanga (2)Barcelona und seine Bewohner haben im Laufe der Zeit einige Beinamen erhalten, mit denen sie von den Katalanen aus den anderen Provinzen gerne betitelt werden. Die drei häufigsten angewendeten lauten Can Fanga, Pixapins oder Quemaco.

Can Fanga ist die Oberbezeichnung für Barcelona selbst. Die Barcelonesen gelten als gent de Can Fanga oder canfangueros. Das katalanische Wort „fang“ bedeutet im Deutschen „Schlamm“ und canfangueros sind die aus dem Schlamm kommenden. Der Name setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch, als die Straßen noch nicht asphaltiert wurden und Sand und Schotter die einzige Möglichkeit waren, die Straßen halbwegs zu befestigen. Es war daher üblich, dass sich die Wege Barcelonas nach heftigen Regenfällen in eine Schlammlandschaft verwandelten. Wenn die Bewohner der Stadt sich nun durch die aufgeweichten Straßen kämpften, beschmutzten sie sich ihre Schuhe und ihre Kleidung meist bis hinauf zu den Knien mit dem Gemisch aus Erde, Sand und Wasser. Um dieser Schlammschlacht halbwegs zu entkommen, wurden im Viertel Eixample vor den Häusern eiserne Fußabtreter angebracht, damit man sich vor dem Betreten der Eingangshalle den Schlamm halbwegs von den Schuhe abkratzen konnte. Und dieses Bild der Stadt nahmen die Besucher aus den anderen Provinzen mit nach Hause. Spaßhaft betitelte die Zeitung L’Esquella de la Torratxa 1903 das erste Mal die Bewohner Barcelonas mit diesem Namen, um sich über diese Situation lustig zu machen. Dieser Name wurde zunächst von den Barcelonesen selbst gebraucht, bis er sich auf ganz Katalonien ausweitete und man auch heute noch in den abgelegen Gegenden Kataloniens die Frage zu hören bekommt, ob man aus Can Fanga kommt.

Es gibt noch weitere Bezeichnungen für die Bewohner Barcelonas, die jedoch um einiges weniger schmeichelhaft sind als das doch eher spaßhaft gemeinte Can Fanga.

Can Fanga (1)Eine dieser Bezeichnungen lautet „pixapins“, was sich in etwa mit „Pinienpinkler“ übersetzen lässt. Als das Auto für einen immer größeren Personenkreis erschwinglich wurde, nutzten die Bewohner der starkbevölkerten Stadt Barcelona die Gelegenheit, um mit dem Auto am Wochenende ins Grüne zu fahren. Die Bewohner der anderen Provinzen wie Girona sahen diese Ausflügler eher als Invasoren an, die keine Ahnung von der Natur und den Gewohnheiten der ländlicheren Bevölkerung hatten. Sie wurden daher zur Zielscheibe des Spots. In diesem Kontext entwickelte sich „pixapins“ als Sinnbild des Ausflüglers, dem man sich plötzlich im Wald gegenübersah, wie er sich im Schatten eines Baumes erleichterte. Und da die Pinie ein sehr häufiger Baum in Katalonien ist, wurde sie als Repräsentant der Bäume ausgewählt.

In dieselbe Kerbe schlägt der Beiname „quemaco“, das vor allem in der Provinz Girona und den Pyrenäen verwendet wird. Dieser Name stammt vom Ausspruch „qué maco!“ (ausgesprochen gemäß der Aussprache des català oriental als „camacu“), wie schön, den die Barcelonesen reichlich gebrauchten, wenn sie ihre Stadt verließen und durch die für sie neue und schöne Landschaft fuhren, ihnen unbekannte Tiere wie Kühe begegneten oder sie pittoreske Bergdörfer besuchten. Die Bewohner des nördlichen Kataloniens übernahmen diesen Ausspruch, um sich über die Städter lustig zu machen, da sie nicht verstanden, wie man sich so aufführen konnte, wenn man mal einen Kirchturm oder ein Schaf zu sehen bekam.

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