Sant Jordi – die Legende nach Joan Amades

Sant Jordi Montblanc (3)Die allseits bekannte und anerkannte Version der Legende um Sant Jordi und den Drachen in Katalonien verdanken wir Joan Amades, der sie für sein Buch „Costumari català. El curs de l’any, volum III“, aufschrieb und veröffentlichte. Joan Amades hat die Legende um den heiligen Georg, den Drachentöter, vor die Stadttore der Stadt Montblanc in der Region Tarragona angesiedelt. Jedoch enthält seine Version einige Elemente nicht, die nachträglich aus anderen Quellen miteingebunden wurden.

🙂 SPOILERALTER EIN: Das Wort Drache wird von Amades erst im vorletzten Abschnitt gebraucht, an den vorherigen Stellen spricht er wahlweise in neutraler Art von einem Monster oder einer Bestie. Auch wird in seiner Version der Rosenstrauch, der aus dem Blut des Drachens erwächst und von dem Sant Jordi eine Rose abschneidet, die er der Prinzessin überreicht, nicht erwähnt. Und zu guter Letzt stirbt der Drache nicht durch Sant Jordi persönlich, sondern wird nur durch diesen verletzt. Sein Ende findet der Drache durch die Bewohner Montblancs. SPOILERALTER AUS 🙂

Die Geschichte lautet wie folgt (Text nach freier Übersetzung des Textes aus dem Costumari Català von Joan Amades):

„Man erzählt, dass in der Gegend um Montblanc ein schreckliches, wildes Monster lebte, das die Fähigkeit besaß, sich auf allen vieren, schwimmend und fliegend fortzubewegen. Dazu hatte es einen übelriechenden Schwefelatem, mit dem es selbst aus weiter Ferne die Luft vergiftete und dadurch den Tod von all jenen forderte, die seinen Atem einatmeten. Es verbreitete Angst und Schrecken in der Bevölkerung.

Die Menschen kamen überein, dass sie jeden Tag eine Person unter ihnen auswählen und dem Monster als Opfergabe übergeben würden, damit das Monster besänftigt und keine allzu große Verwüstung mehr anrichten werde. Da es keine Freiwilligen für diese Aufgabe gab, wurde ein Losverfahren ersonnen, an dem alle Bewohner der Stadt Montblanc teilnahmen. Jeden Tag wurde ein Los gezogen und derjenige, den es traf, musste als Opfergabe für das Monster herhalten. So geschah es über viele Jahre hinweg. Und das Monster schien damit zufrieden zu sein, da es nicht mehr so viel Unheil und Verwüstung wie zuvor anrichtete.

Eines Tags, wie es das Schicksal so wollte, fiel das Los auf die Tochter des Königs, die somit zur Mahlzeit des Monsters auserkoren wurde. Die Prinzessin war jung, sanft und gutmütig und es fiel den Bewohnern schwer, sie der Bestie zum Fraß vorzuwerfen. Es gab viele Bewohner, die an ihrer statt gegen wollten, aber der König war streng und unerbittlich und mit Trauer im Herzen sagte er, dass seine Tochter dieselben Verpflichtungen hätte wie seine übrigen Untertanen und sich daher opfern müsse. Die Prinzessin verließ daraufhin die Stadt und ging alleine den Weg zur Bestie, während die Bewohner der Stadt von der Stadtmauer aus ihr mit gebrochenem Herzen hinterhersahen.

Aber wie es der Zufall wollte, gesellte sich kurz hinter der Stadtmauer ein junger Ritter in goldener Rüstung und auf einem weißen Pferd zu ihr. Voller Entsetzen flehte die Prinzessin den jungen Ritter an, schleunigst zu verschwinden, da sich in der Gegend ein Monster herumtreibe, das ihn sonst ebenfalls fressen werde. Der Ritter erwiderte ihr, sie solle keine Angst haben, da weder ihm noch ihr etwas geschehen werde, da er explizit hergekommen sei, um das Monster zu bekämpfen, es zu töten und dadurch die Prinzessin von ihrem Opfer und natürlich auch die Stadt Montblanc von der Bestie zu befreien.

Und während er noch sprach, erschien zum Schrecken der Prinzessin und zur Freude des Ritters die Bestie, die er sogleich angriff und mit einem Lanzenhieb verletze. Der Ritter, der niemand geringeres als Sant Jordi war, band einen Strick um den Hals der Bestie und übergab diese der Prinzessin, dass diese die Bestie persönlich in die Stadt bringen sollte. Und das Monster folgte der Prinzessin ganz zahm. Die gesamte Bewohnerschaft Montblancs, die den Kampf von der Stadtmauer aus beigewohnt hatte, erwartete die Prinzessin und den Ritter bereits mit offenen Armen und auf dem Platz brach sich ihr Hass auf das Monster bahn, bis von diesem nichts mehr übrig geblieben war.

Sant Jordi Montblanc (2)Der König wollte dem tapferen Ritter die Hand seiner Tochter geben. Aber Sant Jordi erwiderte, dass er diese nicht verdiene, da ihn eine göttliche Eingebung hierher geführt hätte, um mit dem wilden Drachen zu kämpfen und die Prinzessin und mit ihr die Stadt Montblanc zu befreien. Und dies sei mit göttlichem Beistand geschehen, so dass er selber nichts getan hätte und daher keinen Preis verdiene. Er empfahl dem König und seinen Untertanen noch, gute Christen zu sein und Gott zu Ehren, wie es sich gehöre und verschwand auf genauso mysteriöse Weise wie er aufgetaucht war.“

2 Kommentare zu „Sant Jordi – die Legende nach Joan Amades“

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