Perot Rocaguinarda – Perot lo Lladre

Perot lo Lladre (2)Perot Rocaguinarda, besser bekannt unter dem Namen Perot lo Lladre, Perot, der Dieb, ist eine Persönlichkeit der katalanischen Geschichte, die es verdient, einem breiteren Publikum bekannt gemacht zu werden.

Im 16. und 17. Jahrhundert war Katalonien ein Land der Outlaws und Banditen. Diese waren in zwei Gruppen gespalten: Die Nyerros und die Cadells. Die Nyerros standen im Dienste der Familie Banyul, Herren von Nyer aus der Cerdanya und die Cadells im Dienste der Familie Cadells, Herren von Arsèguel. Auf welcher Seite man letztendlich stand, war abhängig von Geburtsregion und familiären Banden und nicht von einer Ideologie. Auch wenn die Nyerros von einigen Historikern als Verteidiger der Rechte des niederen Adels und die Cadells eher als Verteidiger des höhergestellten Adels angesehen werden.

Perot gehörte zu den Nyerros. Er wurde 1582 in der Region Osona als Sohn eines Bauern geboren. Da in Katalonien das Erbe an den Erstgeborenen weitergegeben wurde und Perot der Zweitgeborene war, musste er sich seinen Lebensunterhalt selber verdienen. Durch Schwierigkeiten im Alter von 19 Jahren mit der Obrigkeit in seinem Heimatdorf musste er dieses verlassen, die genauen Hintergründe sind heute leider unbekannt, und kam nach Vic, wo er sich den Nyerros anschloss. Seinen Weg ins Banditentum begann er mit einem Überfall auf den Bischofspalast von Vic und mit der Gefangennahme und einer anschließenden Lösegeldforderung für den Bischof von Vic.

Perot lo Lladre (1)In den darauffolgenden Jahren war Perot an vielen Überfällen beteiligt und versuchte, die Vorherrschaft der Nyerros in Katalonien durchzusetzen. Zwischen 1603 und 1611 terrorisierten er und seine Leute das Land. Er galt als gewitzter Stratege und wurde schnell zum Anführer gewählt. Perot wurde im ganzen Land gejagt, doch konnte er der Obrigkeit stets entkommen. 1610 überfiel er mit 200 Mann Vic und kam seinen Verfolgern zuvor. Kurzerhand ermordeter er die beiden Polizisten, die mit seiner Ergreifung beauftragt worden waren.

???????????????????????????????Gerne wird Perot als „katalanischer Robin Hood“ bezeichnet. Doch war sein Handeln nicht vom Willen, anderen Menschen zu helfen, geleitet, sondern er war wie jeder Bandit einzig und allein auf Gewinnmaximierung aus. Es ist belegt, dass er und seine Leute, sollte sich ein Bauer geweigert haben, ihnen Kost und Logis zu gewähren oder gar auf die Idee gekommen sein, der Obrigkeit ihren Standort mitzuteilen, die Häuser der Bauern in Brand steckten, die Tiere abschlachteten und Aggressionen gegenüber der Familie des Bauern äußerten.

Natürlich wurde über Perot das Todesurteil verhängt und wenn man ihn ergriffen hätte, wäre er am Galgen gelandet. Da die Obrigkeit dem gewitzten Perot jedoch nicht habhaft werden konnte, setzte sich zuerst der Graf von Monteleone 1610, ein Jahr später der Erzbischof von Tortosa für einen Straferlass und eine Begnadigung Perots ein, unter der Bedingung, dass Perot und seine Männer erstens ihre Person in den Dienst des Königs stellten und nicht mehr als Strauchdiebe weiterhin das Land terrorisierten und zweitens Katalonien verließen. Perot nahm dieses Angebot an. Mit 29 Jahren beendete Perot sein Leben als illegaler Bandit und begab sich nach Italien, wo er ab sofort im Dienste des Königs seinem gelernten Handwerk nachging und nun als Soldat und Kapitän raubte, stahl und mordete. Dort verliert sich seine Spur. Wann und wie erstarb, ist nicht bekannt.

Perot lo Lladre (3)In der Altstadt Barcelonas, im Barri del Pi nahe der Kirche Santa Maria del Pi, ist eine Straße nach ihm benannt. Angeblich soll er sich in dieser Gegend während eines Aufenthalts in Barcelona versteckt gehalten haben. Mit diesem Aufenthalt ist auch eine Legende verknüpft.

In der nahegelegenen Santa Maria del Pi hielt eines Tages ein Priester eine schlechtgelesenen Messe ohne das Beisein von Messdienern ab. Wenige Tage nach dieser Messe starb dieser Priester und landete aufgrund dieser einen schlechtgelesenen Messe im Fegefeuer, aus dem er erst wieder entkommen sollte, wenn er eine ordentliche Messe mit Messdiener gehalten hätte. Daher erschien jede Nacht Schlag Mitternacht der Geist des verstorbenen Priesters am Altar der Kirche und fragte in die immer leeren Kirchenbänke hinein, ob ihm jemand bei der Messe assistieren könne. Es hatte sich im Viertel schnell herumgesprochen, dass die Kirche von einem Verstorbenen heimgesucht wurde, weshalb niemand um diese Uhrzeit einen Fuß in die Kirche setzte, wodurch auch niemand den Pfarrer erlöste. Eines Nachts versteckte sich Perot lo Lladre in der Kirche und bekam die Frage des Pfarrers mit. Er zögerte nicht lange, kam aus seinem Versteck zwischen den Seitenaltären hervor, bot sich dem Pfarrer als Messdiener an und assistierte ihm bei der Liturgie. Die Messe wurde nach allen Regeln der Kunst gehalten und der Pfarrer dadurch erlöst. Als Dank vergab der Pfarrer Perot lo Lladre dessen gesamtes Sündenregister.

Literarisch verewigt wurde die Person des Perot lo Lladre im Don Quijote. Kaum einer weiß, dass die Figur des Roque Guinart, den Banditen, den Don Quijote kurz bevor er und Sancho Panza nach Barcelona kommen, auf Perot Rocaguinarda basiert. Roque Guinart ist damit die einzig historisch belegbare Person im Don Quijote. Besonders interessant ist die Tatsache, dass Perot 1611 die Amnestie erhielt und der zweite Band 1615 erschien.

Die Szene findet sich im zweiten Band, in den Kapiteln 60, 61 und 62. Auf dem Weg nach Barcelona wird Sancho von Don Quijote ausgeschickt, die Gegend zu erkunden, vollkommen fertig mit den Nerven kommt er zu seinem Herrn zurück und erzählt diesem, dass die ganzen Bäume in der Gegend voller gehenkter Menschen seien. Don Quijote erwidert ihm darauf nur, dass Sancho sich nicht fürchten solle, da es sich hierbei um Rüber und Banditen handele, die von der Obrigkeit gehängt wurden, so wie es in dieser Gegend der Brauch sei. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sie nahe Barcelona seien. Kaum ausgesprochen, werden Don Quijote und Sancho von Roque Guinart und seinen Leuten umstellt, durchsucht und festgesetzt. Drei Tage und drei Nächte verbringt Don Quijote mit Roque, in denen sie viel über das Räuberleben erfahren, dass Don Quijote gegen den Strich geht. Er wagt es sogar so weit zu gehen, dass er versucht, Roque (Perot) von dessen Leben als Bandit abzubringen und sich dem Rittertum zu verschreiben. Ohne Erfolg, versteht sich. Roque wird von Cervantes als edler Mann mit Tugenden dargestellt und trug so maßgeblich an einer Verklärung der Person bei. Die Szene endet damit, dass Roque Don Quijote und Sancho nach Barcelona begleitet.

1995 wurde die Figur des Perto lo Lladre in den Reigen der Gegants der del Pi aufgenommen. Am Festtag des Sant Josep Oriols im März überfällt er mit seinen Leuten die umliegenden Geschäfte. Dabei sind die teilnehmenden Personen gekleidet wie es in dieser Epoche üblich war. Dabei stehlen Perot und seine Räuber Säcke voller Schokolade und verteilen sie an die umstehenden Zuschauer.

Die heutige Darstellung des Perot lo Lladre als Robin Hood und die Verklärung in Literatur und Sonetten haben mit der historischen Person wenig gemein. Dies ändert aber nichts daran, dass es sich um eine wichtige Persönlichkeit der Geschichte handelt.

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