Torre Bellesguard – das vergessene Juwel Gaudis in Sant Gervasi

Torre BellesguardTorre BellesguardDer Torre Bellesguard ist ein nahezu vergessenes Kleinod Gaudis am Fuße des Collserola im Viertel Sant Gervasi. Das Gebäude und der dazugehörige Garten gehören zum Frühwerk Gaudis. Gaudi hatte das Areal mit den Ruinen einer mittelalterlichen Burg schon länger im Auge. Um seine Ideen verwirklichen zu können, suchte Gaudi sich dafür selber einen Kunden. Im Gegensatz zu späteren Phasen, in denen die Kunden ihm die Tür einrannten, um ihn als Architekt zu gewinnen, war er in diesem Fall der Initiator des Projekts und auf Kundenfang. Der Industrielle Jaume Figueras war zum Schluss derjenige, der dem Projekt zustimmte und es Gaudi abkaufte. Doch bevor es zum Bau kam, verstarb Jaume Figueras. Zu Gaudis, und auch zu unserem Glück, ließ die Witwe des Industriellen, Maria Sagües, das Bauprojekt fortführen.Torre Bellesguard

Torre BellesguardDer große Unterschied zu den meisten Werken des Künstlers besteht darin, dass sich der Torre Bellesguard in Privatbesitz befindet und von den Besitzern ganz normal bewohnt wird. Die Familie Guilera hat das große Privileg, in einem Kunstwerk Gaudis zu wohnen. Seit dem Jahr 1944 befindet sich das Areal im Besitz dieser Familie. Bis vor einigen Jahren war nur der Garten und das Gebäude von außen zu besichtigen. Die Familie öffnete interessierten Personen das Tor und ließ sie durch ihren privaten Garten flanieren, der von Gaudi persönlich gestaltet wurde. Seit 2013 ist nun ebenfalls das Haus auch von innen zu besichtigen. Dafür werden spezielle Führungen angeboten, die die Besucher durch das Haus führen und ihnen die Geschichte desselben nahebringen.

Die Führung beginnt im Garten vor dem mittelalterlichen Turm. Wo sich heute der Torre erstreckt, stand im 15. Jahrhundert bereits ein Landhaus der Grafen von Barcelona und späteren Könige von Aragón. Martin I. der Humane ließ sich aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Residenz an den Hängen des Collserola errichten, um der stickigen Luft Barcelonas entfliehen zu können. Dies führte dazu, dass dieser Flecken Erde im 15. Jahrhundert für kurze Zeit das Machtzentrum des Mittelmeeres repräsentierte.

Bevor es in das Haus geht, führt der Weg durch den Garten hin zu zwei Bänken mit den Wappen der Grafen von Barcelona und der aragonesischen Krone. Von dort aus hat man einen Blick auf die neogotische Außenfassade und kann da Gesamtkunstwerk bewundern.

Torre BellesguardTorre BellesguardIn der Eingangshalle angekommen, führen viele, viele Treppenstufen hinauf in den obersten Stock vorbei an Keramikkacheln, Ornamenten und kunstvollen Glasfenstern. Und vorbei an einem kleinen Balkon, von dem man die Besucher an der sehen konnte, jedoch diesen selber verbogen blieb. Im obersten Stock gelangt man zuerst in das ehemalige Raucherzimmer. Die Stuckarbeiten mit Gips in der Decke in diesem Raum sind schon ein kleiner Ausblick auf die späteren Arbeiten Gaudis in den Dachstühlen von la Pedrera und der Casa Battló. Als nächstes gelangt man in den Musiksaal, ein großer, in Ziegelsteinen gehaltener Raum, dessen Zentrum ein riesiger Kronleuchter in Form einer umgedrehten Krone bildet. Leider befinden sich im gesamten Haus keine Möbel mehr aus der Zeit Gaudis, obwohl er auch für dieses Haus persönlich die Einrichtung gestaltet hatte. Im spanischen Bürgerkrieg wurde das Haus jedoch als Waisenhaus genutzt und das Mobiliar wurde von den Nonnen als Heizmaterial verwendet.

Den Abschluss der Besichtigung bildet die Dachterrasse. Der Besucher erfährt den Grund, warum der Bellesguard schöne Aussicht genannt wird. Die Dachterrasse bietet nämlich einen 360-Grad-Rundumblick auf Barcelona und den Collserola hinauf zum Tibidabo.

Torre BellesguardGaudi hat sich für das Gebäude noch eine kleine Kuriosität einfallen lassen.  Wenn man von einer bestimmten Stelle der Dachterrasse aus das Dach mit seinen Winkeln und Vorsprüngen betrachtet, hat man das Gefühl, in die Augen eines Drachen zu blicken. Die Anordnung der Fenster und Giebel sowie die geplättelte Fassade bilden Ohren, Augen, Nüstern und die schuppige Haut eines Drachens. Und wo ein Drache ist, da kann in Katalonien Sant Jordi nicht weit sein. Er wird durch die Lanze repräsentiert, die durch den spitz zulaufenden Turm mit dem Kreuz dargestellt wird.

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