Die Rambles – die wohl bekannteste Straße Barcelonas

Ramblas (3)Das Wort Rambla stammt aus dem Arabischen und leitet sich vom Wort „ram-la“ ab, was sich mit „Ort, an dem das Wasser fließt“ übersetzen lässt. Das ist treffend.Denn bis ins 17. Jahrhundert hinein waren die Rambles nichts weiter als ein manchmal stinkender und dreckiger Abwasserkanal. Schwer vorstellbar, wenn man heute sich heute auf ihr befindet. Bis 1777 verlief auf der rechten Seite der Rambles (vom Meer Richtung Plaça Catalunya aus gesehen) die erste Stadtmauer. Sie wurde zunächst teilweise niedergerissen, um dem alten Stadtkern mehr Luft zum Atmen zu geben. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Abriss vieler Klöster und dem endgültigen Komplettabriss der Stadtmauer erweiterte sich die Fläche zwischen dem Kanal und dem Viertel Raval. Es wurden neue, schöne, herrschaftliche Häuser gebaut (u.a. das Liceu) und der Wasserkanal wurde mit einer Baumallee gesäumt und verwandelte sich nach und nach in die Flaniermeile, wie wir sie heute kennen.

Die Rambles sind in vier Abschnitte unterteilt. Wir laufen bei der nun folgenden Beschreibung von der Kolumbussäule aus zur Plaça Catalunya.

Ramblas (1)Der erste Abschnitt heißt Rambla de Santa Monica. Dieser Name geht zurück auf die gleichnamige Kirche. Dieser Teil der Rambles war der erste, der als „Flaniermeile“ genutzt wurde, da hier die Stadtmauer für den Bau des Hafens bereits sehr früh niedergerissen wurde. Jedoch wurde sie nicht vom Bürgertum genutzt, das sich eher am Passeig de Gràcia aufhielt, sondern diente den einfachen Leuten als Treffpunkt, die hier ihre Picknicks, Feste und Sonntagsspaziergänge abhielten. Es war aber auch der Abschnitt der Huren, Zuhälter, Zigeuner, Drogenhändler und Diebe. Bis ins 20. Jahrhundert hinein beherbergte der Großteil der Wohnungen an der Rambla de Santa Monica Bordelle und die existierenden Cafés waren „cafés de cambreres“*. Und noch in den 80er Jahren war sie ein 24h-Bordell unter freiem Himmel. Heute sammeln sich hier, zumindest tagsüber, die lebenden Statuen und Maler verschiedener Stilrichtungen.

Der zweite Abschnitt heißt Rambla dels Caputxins. Der Name geht auf ein ehemaliges Kapuzinerkloster zurück. Dieser Teil beherbergte darüber hinaus die erste Kanalisation Barcelonas (die der Römer nicht einbezogen). Bereits 1364 baute man die Kanalisation, um die Abwässer der Stadt, die sich im Rinnsal der Ramblas sammelten, zum Meer zu leiten. Erst mit dem Bau der Metro verschwand diese Kanalisation.

Ramblas (2)Der dritte Abschnitt hat zwei Namen. Zum einen heißt er Rambla de les Flors. 1853 wurden die ersten elf Blumenstände auf den Rambles errichtet, deren Zahl bereits vier Jahre später auf 30 angestiegen war. Zum anderen ist dieser Abschnitt bekannt unter dem Namen Sant Josep in Anlehnung an das Kloster, das an der Stelle der heutigen Boqueria stand und 1835 niedergebrannt wurde. Dieser Abschnitt war Anlaufstelle für alle Personen, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren (was im 19. Jahrhundert noch alltäglich war). An diesem Ort fanden sie Hilfe bei professionellen Schreibern, die einen kleinen Verschlag hatten und Schreibdienste sowohl für private als auch für geschäftliche oder offizielle Anlässe gegen Bezahlung anboten.

Der letzte Abschnitt ist bekannt unter dem Namen Rambla dels Estudis, da auf der Höhe des Brunnens Canaletas zwischen 1536 und 1716 die erste Universität Barcelonas ihr Gebäude hatte. Die Rambla dels Estudis wurde früher auch „Rambla dels ocells“, Rambla der Vögel genannt, da sich hier die Vogelhändler befanden.

Bei diesem Abschnitt scheiden sich die Geister, ob es sich bei diesem Teil nicht um zwei handelt und zwar um die Rambla dels Estudis und die Rambla de Canaletas. Die Rambla de Canaletas war die Stadtgrenze und direkt auf ihr verlief die Stadtmauer mit den zwei Wehrtürmen. In diesem Bereich pflegte sich das zwielichtige Gesindel wie Diebe, Räuber, Kartenspieler, Tagediebe und Konsorten zu sammeln. Was mit der direkten Nachbarschaft zum Raval einherging.

 

*“Cafés de cambreres“, Cafés der Kellnerinnen, waren keine Cafés im eigentlichen Sinne. Hinter diesem Wort verbarg sich eine etwas andere Art der Prostitution. Meist bieteten sich hier Arbeiterinnen den Männern an, die ihr mickriges Gehalt aufbessern wollten. Diese Cafés wurden überwiegend von der Arbeiterklasse aufgesucht. Man sprach die „Kellnerinnen“ an und bat sie zum Tanz. Während des Tanzes führten die „Kellnerinnen“ mit ihren Tanzbewegungen beim Mann eine Ejakulation herbei. Weitere Dienste konnten im Nachhinein abgemacht werden.

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