La Dama Barceloneta

la BarcelonetaDie Bewohner des Viertels La Barceloneta lebten in ständiger Angst, dass sich das Meer eines Tages das Land, das ihm der Mensch abgerungen hat, wieder zurückholen und das ganze Viertel einfach im Meer untergehen würde. Man darf nicht vergessen, dass La Barceloneta erst im 18. Jahrhundert künstlich geschaffen wurde. Daher griff man auf einen alten Aberglauben zurück, dass man dem Meer zur Besänftigung alle sieben Jahre ein Opfer darbringen müsse. Eine sehr reiche Frau, die in diesem Viertel einigen Besitz hatte, übernahm die Durchführung der Opfergabe. Sie erledigte die Aufgabe in vollkommener Anonymität, so dass sie nur „la Dama Barceloneta“ genannt wurde. Im Siebenjahreszyklus vollführte sie das Ritual und steckte in ein Fass einen Laib gesegnetes Brot, eine Flasche Wein, eine entzündete Kerze und … ein Kleinkind. Von einem Platz am Strand aus warf sie das Fass ins Meer. Wenn das Meer das Fass annahm und es nie wieder gesehen wurde, galt die Opfergabe als angenommen und das Viertel war für weitere sieben Jahre geschützt. Wenn das Fass jedoch wieder angespült wurde, Brot und Wein nicht angerührt, die Kerze erloschen und das Kind tot, war etwas mit den Opfergaben nicht in Ordnung gewesen und das Ritual musste erneut ausgeführt werden. Um jedes Mal ein Kind opfern zu können, bezahlte la Dama Barceloneta horrende Summen an die Eltern, denen sie ihr Kind abkaufte. Sollte sie mal keinen Erfolg gehabt haben und niemand verkaufte ihr sein Kind, entführte sie kurzerhand eines, weshalb die Mütter ihre Kinder immer besonders im Auge behielten, wenn sich wieder das 7. Jahr näherte. Manchmal boten ihr auch Zigeuner oder fahrende Händler ein Kind an, das sie diesen abkaufte, ohne nach der Herkunft zu fragen. Bisher hat sich das Meer noch nicht wieder geholt, was ihm ursprünglich gehörte. Ob la Dama Barceloneta noch heute ihre Finger im Spiel hat?

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