Santa Maria del Pi

???????????????????????????????Die Kirche Santa Maria del Pi legt im Herzen der Altstadt und ist eines der ganz wenigen mittelalterlichen Bauwerke, die in Barcelona noch existieren. Die Bauzeit der Kirche lag zwischen den Jahren 1319 und 1391. Sie wurde angeblich über einer kleinen Kirche erbaut, die bereits 413 nach Christus von den ersten Christen an diesem Ort erbaut worden sein soll. Für diese Kirche gibt es jedoch keine archäologischen Funde, nur Verdachtsmomente. Belegt ist aber die Kirche aus dem 10. Jahrhundert, die zum Bau der heutigen weichen musste. Der Name der Kirche hängt mit dem Pinienhain zusammen, der sie bei ihrem Bau umgab. In diesem Hain soll der Legende nach die Marienstatue gefunden worden sein, die noch heute den Altar ziert. Gefunden wurde sie von einem Fischer, der sich aus einem Pinienstamm ein Boot bauen wollte und beim Spalten des Stammes plötzlich diese Marienfigur hervorkam. Natürlich ist dies nur eine Legende, die auch erst im 16. Jahrhundert aufkam.

???????????????????????????????Zu Beginn des Bürgerkrieges 1936 wurde das Hauptschiff der Kirche niedergebrannt, doch bereits 1940 jedoch wieder aufgebaut. Im Zuge dieses Brandes musste die Rosette komplett restauriert werden, da sie durch den Brand sehr gelitten hatte. Sie ist mit einem Durchmesser von 10 Metern die größte Rosette Kataloniens und eine der größten Europas.

Joan Amades berichtet in seinem Werk von einer Rivalität zwischen den Kirchengemeinden der Iglesia del Pi und der Santa Maria del Mar im Bornviertel, da beide Kirchen zur gleichen Zeit erbaut wurden. Jede Gemeinde wollte das bessere Gotteshaus haben. Zum Schluss stand es unentschieden: Die Santa Maria hat zwei Glockentürme wie die Kathedrale wohin gegen die del Pi den höchsten Glockenturm der iberischen Halbinsel hat und sogar die Giralda in Sevilla um einige Meter schlägt.

Um den Glockenturm der Kirche ranken sich viele Legenden. Die bekannteste ist die um den Baumeister, der dem Teufel seine Seele verkaufte. Der Baumeister, der den Glockenturm bauen sollte, wurde mit dem Bau nicht fertig. Den Teil, den er an einem Tag erbauen ließ, ließ er am nächsten Tag wieder einreißen, weil er nicht zufrieden war. Als der Bau einfach nicht weitergehen wollte, rief er den Teufel an und versprach ihm seine Seele, wenn er ihm dabei helfen würde, die Kirche zu vollenden. Wenn die 100. Stufe des Glockenturms erreicht sei, sei der Teufel der neue Besitzer seiner Seele. Der Teufel ließ sich so ein Angebot natürlich nicht entgehen, er erschien dem Baumeister und beide schlossen den Pakt. Der Bau ging daraufhin voran und der Glockenturm wuchs und wuchs. Der Baumeister war jedoch nicht dumm. Bei der Stufe Nummer 99 stoppte er den Bau des Turmes und die Arbeiten wurden an einem anderen Punkt der Kirche fortgesetzt. So wurde der Bau des Turmes verzögert. Bis zum Tode des Baumeisters wurde die 100. Stufe nicht vollendet, so dass der Pakt nicht eingehalten wurde, so dass der Teufel diese Seele fahren lassen musste.

Santa Maria del Pi (4)Der Teufel ließ sich jedoch nicht um seine Seele bringen. Der nächste Baumeister musste den Glockenturm ja irgendwie vollenden und weil dieser sich einen Spaß machen wollte, gravierte er in die 100. Stufe ein Abbild des Teufels hinein. Der Bau wurde vollendet, doch als der neue Baumeister und seine Maurer den Turm nach der Vollendung besichtigten, um eventuelle Mängel zu finden, kam es zu einem Zwischenfall. Oben angekommen befiel den Baumeister Angst und Schwindel und er bekam keine Luft. Er sagte zu seinen Maurern, dass die umliegenden Häuser auf ihn zukommen würden. Die Maurer begriffen sofort, dass der Teufel seine Finger im Spiel hatte und damit der Teufel die Seele des Baumeisters nicht bekam, warfen sie ihn vom Dach, so dass er starb, bevor der Teufel seiner Seele habhaft werden konnte. Eine aus heutiger Sicht drastische Lösung.

Santa Maria del Pi (3)Noch heute zieht der Teufel gelegentlich seine Kreise um die Kirche und manifestiert sich regelmäßig in ihrer Umgebung, um den Barcelonesen ins Gedächtnis zu rufen, wem sie diese Kirche eigentlich verdanken.

Eine weitere mit der Kirche verknüpfte Legende hängt mit der Pinie auf dem Platz zusammen und mit der Geschichte des Platzes als ehemaliger Friedhof. Wie es damals der Brauch war, war der Friedhof direkt an die Kirche angegliedert. Bis ins 18. Jahrhundert wurde der Platz als Gemeindefriedhof genutzt.

Im 15. Jahrhundert soll nahe der Kirche ein verkrüppelter Mann gelebt haben, der nur stammeln und stottern konnte. Die Nachbarn tolerierten ihn, mieden ihn jedoch aufgrund seiner Behinderung und hielten ihn für minderwertig, da sie ihn aufgrund der Sprachstörung noch nie ein rechtes Gebet haben sprechen hören. Nach seinem Tod wurde er auf dem Friedhof vor der Kirche begraben und die Menschen begannen, ihn mit der Zeit zu vergessen. Nach einer Weile wuchs jedoch urplötzlich eine Pinie auf dieser Stelle. Die Äste sahen ungewöhnlich aus, so als ob man in sie haarfein etwas eingeritzt hätte. Und tatsächlich stellten die Nachbarn bei genauem Hinsehen fest, dass in die Rinde des Baumes einzelne Wörter eingeritzt waren. Die Anwohner beschlossen, diesem Phänomen nachzugehen und gruben um die Wurzeln der Pinie herum. Sie stießen dabei auf das Skelett des verkrüppelten Mannes mit der Sprachstörung. Aus seinem Mund wuchs diese sagenhafte Pinie und die eingeritzten Wörter sollen diejenigen dargestellt sein, die er Zeit seines Lebens nicht über die Lippen gebracht hatte. Santa Maria del PiNach dieser Feststellung wurde die Pinie gehegt und gepflegt und existierte bis zur französischen Besatzung im Jahr 1808 hinein. Ein französischer Soldat stieß aus Jux und Tollerei seinen Säbel in den Stamm der Pinie und nach Ohrenzeugenberichten gab die Pinie einen schrillen Schrei von sich, als ob ihr dieser Hieb Schmerzen bereitet hätte. Sie überlebte nicht lange und ging aufgrund dieser Verletzung ihrer Rinde ein. Die Pinie, die heute auf dem Platz steht, ist eine Nachfahrin dieser Pinie.

Die Kirche ist zu besichtigen. Sie lohnt sich aufgrund ihrer besonderen Bauweise und des Kirchenschatzes, der in einem Extraraum ausgestellt wird. Ein besonderer Tipp ist die Besichtigung des Glockenturms.

 

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